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„Am Anfang war das Lied“

Die Geschichte des Gemischten Chores   „Die Leineweber“

In einer Zeit der tiefsten Erniedrigung und furchtbarem Elend fanden sich mehrere junge Menschen in einer von Bomben und Granaten schwer zerstörten Stadt zusammen, um wieder zu singen. Sie wollten durch ihren Gesang, einem der wertvollsten Kulturgüter unseres Vaterlandes, dem deutschen Volkslied, neues Leben geben. Welch große Aufgabe und welch hohe Ziele zu einem Zeitpunkt vollkommener geistiger Ohnmacht Deutschlands.

Verbunden und befreundet durch das große Erlebnis, beim Bielefelder Kinderchor unter Leitung von Friedrich Oberschelp lange Jahre gesungen zu haben, wird der Wunsch ehemaliger Mitglieder dieses Chores, einen neuen  jungen Chor zu bilden, am 06. Juni 1946 Wirklichkeit.

Friedrich Oberschelp übernimmt die musikalische Leitung dieses Chores, der zunächst ohne Namen seine Chorstunden in der Fröbelschule in Bielefeld abhält.

Eine interessante Geschichte ist das offizielle Datum der Gründung. Friedrich Oberschelp liebte Zahlenspiele. Er fand es schick, wenn bei einem entscheidenden Termin drei gleiche Zahlen eine Rolle spielten. So wurde unter anderem auch mit der Wahl des 1. Vorsitzenden gewartet, bis der 06.06.46 erreicht wurde. Drei Sechsen waren nun in dieser Zahl. Das war wichtig.

Der Kaufmännische Angestellte Rudi Boes wurde mit 28 Jahren gleich nach der ersten Wahl 1. Vorsitzender. Er leitete die Geschicke des Chores bis 1950. Doch wollen wir nicht vorgreifen.

In dieser Zeit war mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Notenmaterial war nirgends zu bekommen. Ungeheizte Schulräume machten die Übungsabende auch nicht gerade zum Vergnügen. Dann war es Friedrich Oberschelp, der dem Chor große Sorgen bereitete. Sein "Bielefelder Kinderchor" hatte die Arbeit schon kurz nach dem Krieg wieder aufgenommen. Oberschelps Arbeit dort zeigte so große Erfolge, dass ihm die Leitung zweier Chöre aus zeitlichen Gründen nicht mehr möglich war.

Er entschied sich logischerweise für den Kinderchor und lei­stete bekanntlich Großes.

Der Grundstein für den jungen Chor war gelegt. Als wirklich guter Nachfolger Oberschelps wurde Fritz Reinhardt, der vor dem Krieg Kreis-Chormeister und nach dem Krieg lange Jahre 1. Vorsit­zender des Sängerkreises Ravensberg war, gewonnen. Unter ihm zu singen war allen Mitgliedern eine Freude und der Chor zeigte eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung. In dieser Zeit wurde der Wunsch nach einem Namen für den Chor immer größer. Man beschloss einen passenden Namen zu suchen, der in das Vereinsregister der Stadt Bielefeld eingetragen werden sollte.

Viele Vorschläge wurden gemacht, geprüft und wieder verworfen. Irgendjemand der 14 Gründungsmitglieder, die namentlich noch erwähnt werden, verwies darauf, dass das Symbol der Stadt Bielefeld der Leineweber ist. Warum sollte man nicht den Namen des Symboles der  Stadt übernehmen. Einstimmig wurde dann die Taufe vollzogen:

Gemischter Chor „Die Leineweber“

Unter diesem Namen sollte fortan der junge Chor auftreten und versuchen, einen achtbaren Platz in der Reihe der anderen Bielefelder Chöre zu erwerben. Dass ihm das gelungen ist und er heute in Bielefeld einen sehr beachtlichen Ruf besitzt, haben die folgenden Jahre bewiesen. Schon nach kurzer Zeit zählte der Chor bereits 39 Mitglieder. Unter diesen aktiven Sängerinnen und Sängern befanden sich auch folgende Gründungsmitglieder:

Edith Conradi, Wilma Boes, Hans-Werner Spilker, Anneliese Frankenberg, Leni Lindhorst, Wolfgang Willumeit, Lieselotte Glasmacher, Magdalene Dissmann, Günther Abel, Lotti Bolbrinker, Hannelore Schnelle, Edith König, Anneliese Hüllinghorst, Hannelore Heidemann.

Aus den Jahren 1947 – 1948 liegen keine Berichte über Jahreshauptversammlungen usw. vor.

Bis zum Frühjahr 1949 fanden keine Veranstaltungen statt. Aus Gründen der Geselligkeit und um alle Chormitglieder persönlich miteinander bekannt zu machen, wurden verschiedene kleine Feste veranstaltet, an denen der Chor sich gesanglich vorstellte.

Im Frühjahr 1949 fand die Feuertaufe für die Sängerinnen und Sänger des gemischten Chores „Die Leineweber“ statt. Der Musikverein Sieker feierte ein Chorjubiläum und die Leineweber waren eingeladen. Dieser Name wurde von diesem Moment an für viele ein Begriff. Es fanden sich viele begeisterte Zuhörer ein und alle waren des Lobes voll über diesen jungen Chor, von dem man bisher noch nichts gehört hatte. Dieses war für die damalige Zeit ein sehr schöner Erfolg. Man brauchte Freude in dieser Zeit.

Im Sommer 1949 übernahm der bekannte Stabsmusikmeister Thomas Ruhland die musikalische Leitung des Chores, da der beliebte Dirigent Fritz Reinhard aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung stellte. Unter Herrn Ruhlands Leitung bereite sich der Chor auf sein erstes Auftreten in der Rudolf-Oetker-Halle vor. Am 05. März 1950 war es dann soweit. Der Sängerkreis Ravensberg führte an diesem Tag sein später zur Tradition werdendes Konzert in der Oetkerhalle durch, in dem sich alljährlich die Bielefelder Chöre einem größeren Publikationskreis vorstellen können. Die Leineweber traten mit den Liedern „An die Musik“ von Schubert und dem „Ave Maria“ von Mozart auf. Das Publikum und die Presse waren sichtlich begeistert. Leider wurde die Liederauswahl von der „Deutschen Sängerzeitung“ als nicht passend bezeichnet. Dieses sollte aber nur einmal geschehen. Bei allen späteren Konzerten wurde fortan die Programmgestaltung lobend erwähnt.